Siedlungen: Warum die Fläche der Schlüssel ist
Aus "Kleiner Wohnen": Tiny House kaufen, irgendwo hinstellen und fertig – so einfach ist es leider nicht. Was fast immer fehlt: das passende Grundstück und dessen Vorbereitung.
Die entscheidenden Akteure sind hier nicht die Tiny-House-Interessent*innen, sondern die Grundstückseigentümer*innen. In Deutschland kann man ein Tiny House nämlich nicht einfach irgendwo abstellen – im Gegenteil, es gelten strenge gesetzliche Vorgaben. Hierzulande existieren zwar Tausende Grundstücke, die sich prinzipiell für Tiny-House-Projekte eignen, doch die wenigsten sind spontan nutzbar.
Warum?
Es fehlt an rechtlicher, infrastruktureller und konzeptioneller Vorbereitung. Hier beginnt die Arbeit eines Baulandentwicklers: 90 Prozent der Tiny-House-Realisation besteht aus der Entwicklung und Vorbereitung der Fläche, erst der Rest ist das Aufstellen der Häuser selbst. Das sind die wesentlichen Schritte der Baulandentwicklung: Konzept – vom leeren Grundstück zum durchdachten Tiny-House-Park
Ein Grundstück wird nicht durch gute Absichten bebaubar, sondern durch Planung und Struktur. Bevor auch nur ein Tiny House aufgestellt wird, muss ein stimmiges Konzept für das Grundstück stehen. Dazu gehört zunächst die Klärung der baurechtlichen Situation: Hat die Fläche bereits Baurecht für Wohnzwecke oder muss erst eine kommunale Zustimmung eingeholt werden? Ohne gültiges Baurecht geht nichts – eine Kommune muss ein Tiny-House-Projekt genehmigen, ggf. über Bebauungspläne oder Ausnahmen. Im Konzept definieren wir auch die Art der Nutzung: Soll ein Tiny-House-Park dauerhaftes Wohnen ermöglichen, temporäres Wohnen auf Zeit oder touristische Nutzung? Davon hängen Anforderungen an das Baurecht und die Gestaltung ab.
Ebenso essenziell ist die Einbindung der Nachbarn und der lokalen Politik von Anfang an. Neue Wohnformen stoßen ohne frühzeitige Kommunikation oft auf Vorbehalte im Umfeld. Der Baulandentwickler sucht daher früh das Gespräch mit Anwohnern und Gemeindevertretern, präsentiert das Konzept und nimmt Bedenken ernst. Durch transparente Planung und Beteiligung kann man Akzeptanz schaffen, bevor der erste Spatenstich erfolgt. Nichts wäre schlimmer, als wenn ein Tiny-House-Projekt an einem Protest der Nachbarschaft oder am Veto der Lokalpolitik scheitert, weil das Konzept nicht vermittelt wurde.
Ein weiterer Baustein des Konzepts ist die Standortanalyse und Flächenplanung. Welche Beschaffenheit hat das Grundstück? Wie viele Tiny Houses könnten darauf sinnvoll platziert werden, ohne das Gelände zu überfrachten? Wichtig sind Fragen der Erschließung – also wo Anschlüsse für Wasser, Abwasser, Strom verlaufen und wie die Zufahrt erfolgt. Ein Tiny-House-Areal braucht eine Grundausstattung an Infrastruktur, sonst bleibt es eine Vision auf der „grünen Wiese“. All diese Überlegungen fließen in ein konkretes Flächenlayout und einen Planungsentwurf ein. Am Ende des Konzept-Prozesses steht idealerweise ein fertiger Planungsentwurf, der zeigt: So und so können hier Tiny Houses stehen – rechtlich zulässig, räumlich sinnvoll und mit Rückhalt der lokalen Akteure.
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Geschrieben wurde dieser Text von Fabian Müller. Müller hat Geodäsie und Landmanagement studiert und war Projektleiter bei der LBBW Immobilien Kommunalentwicklung GmbH, wo er weiter freiberuflicher Kommunalberater ist. In seiner Laufbahn entwickelte er Bebauungspläne, war an Baulandentwicklungen beteiligt und vertrat die Interessen der Kommunen. Er ist Geschäftsführer der Vilcomo und berät Kommunen, Private und Investoren bei Tiny-House-Vorhaben. www.vilcomo.de
